Helmtherapie – Vor- und Nachteile dieser Therapieform

Der Schlaf Deines Babys ist überaus wichtig. Es ist nicht außergewöhnlich, falls es für bis zu 18 Stunden im Bett liegt. Am gesündesten ist es, wenn Dein Kind auf dem Rücken liegt. Verbleibt es in der immer gleichen Schlafposition, stellt dies jedoch eine Belastung für die noch verformbare Schädelstruktur[1] dar.

Um der Verformung des Kopfes entgegenzuwirken und eine Entlastung zu bieten, könnte die Helmtherapie die Lösung sein. Ist diese Maßnahme sinnvoll und wie unterstützend wirkt die Helmtherapie, um die gesunde Struktur des Schädels wiederherzustellen?

Weshalb entsteht die Verformung des Kopfes?

Zunächst ist es hilfreich zu erfahren, weshalb es überhaupt zu der Kopfverformung kommt. Denn eigentlich sollte der Schädel fest und widerstandsfähig sein.

Hierzu ist die Besonderheit des Schädels bei Babys zu beachten. Der Kopf befindet sich im Wachstum, was durch die offenen Fontanellen[2] angezeigt wird. Im Laufe der ersten Monate und Lebensjahre wächst Dein Baby rasant. Auch der Kopf gewinnt an Umfang. Innerhalb der ersten sechs bis sieben Monate ist es möglich, dass sich die Größe des Kopfes verdoppelt. Dieses Wachstum ist nur möglich, da die Schädelstruktur noch relativ weich ist. Die Knochen sind leichter verformbar und passen sich diesem Wachstum an.

Wachstum des Kopfes

Die Schädelstruktur ist noch weich und verformbar. Damit ist es möglich, dass der Kopf wächst und sich analog zum Körper entwickelt.

Für den Schlaf Deines Babys ist es am sichersten, wenn es auf dem Rücken liegt. Dort ist die Gefahr des plötzlichen Kindstodes am niedrigsten. Die Atemwege liegen frei, die Wirbelsäule entspannt sich und der Schlaf ist erholsam.

Im Schlaf entscheidet sich Dein Kind meist dazu den Kopf auf eine Seite zu drehen. Dieses Verhalten kennt es bereits aus dem Mutterleib und nimmt auch während der ersten Lebensmonate diese Lieblingsposition ein.

Verbringt es bis zu 18 Stunden am Tage in dieser Position, übt dies einen Druck auf die immer gleiche Stelle am Schädel aus. Es besteht die Gefahr einer Kopfverformung[3]. Diese ist gesundheitlich wenig bedenklich, doch könnte optisch als Einschränkung wahrgenommen werden.

Damit diese Verformungen nicht dauerhaft auftreten, ist eine Entlastung des Kopfes notwendig. Der Druck muss besser verteilt werden und darf nicht immer an die gleiche Stelle einwirken. Dann bilden sich die Verformungen zurück und der Schädel nimmt seine gewohnte Struktur an.

Die Kopfverformungen treten also auf, weil Dein Baby naturgemäß lange schläft und in der gleichen Schlafposition liegt. Die Schädelstruktur ist noch weich und der Druck auf den Hinterkopf führt nach einer gewissen Zeit zu einer sichtbaren Veränderung der Kopfform.

Wann ist die Helmtherapie notwendig?

Die Helmtherapie ist nicht bei allen Verformungen des Kopfes notwendig. Das Tragen des Helmes gilt als Einschränkung im Alltag und wird von vielen Babys nicht gerne angenommen. Daher werden zunächst andere Therapiemöglichkeiten durchgeführt, wenn diese sich als erfolgversprechend erweisen.

In manchen Fällen ist eine Helmtherapie aber unumgänglich. Dies ist vor allem abhängig vom Alter und von der Ausprägung der Kopfverformung.

Alter und Grad der Verformung

Nicht immer ist eine Helmtherapie notwendig, um eine natürliche Kopfform wiederherzustellen. Die Helmtherapie gilt als wirkungsvollste Maßnahme. Daher kommt sie bei Babys zum Einsatz, die etwas älter sind und deren Verformung besonders stark ist.

Je älter Dein Baby ist, desto fester ist die Schädelstruktur. Eine auftretende Verformung lässt sich durch eine einfache Lagetherapie nicht mehr korrigieren. Dann ist die Helmtherapie notwendig, um möglichst rasch den Druck vom Kopf zu nehmen und eine Entlastung zu bieten.

Auch bei starken Ausprägungen ist die Helmtherapie unumgänglich. Sie gilt als wirkungsvoll und ermöglicht eine gesunde Entwicklung der Schädelstruktur. Somit wird verhindert, dass die Verformung dauerhaft bestehen bleibt.

Stellst Du eine leichte Deformation des Kopfes fest, dann lasse diese so früh wie möglich vom Kinderarzt untersuchen. In einem frühen Stadium könnte es ausreichend sein, Deinem Baby einfach eine andere Schlafposition anzugewöhnen. Schätzt der Arzt die Ausprägung jedoch als stärker ein, wird er die Helmtherapie wahrscheinlich empfehlen.

Anwendung

Die Helmtherapie setzt darauf, dass durch eine individuell angefertigte Kopforthese die Schädelstruktur die natürliche Form wieder annimmt. Dies gelingt, indem der spezielle Helm die Richtung des Schädelwachstums vorgibt.

Vergleichbar ist diese Anwendung mit einer Zahnspange. Dort wird auch durch einen dauerhaften Druck die Struktur der Kieferknochen beeinflusst.

Schnelle Gewöhnung

Der Helm mag etwas ungewöhnlich aussehen. Babys gewöhnen sich jedoch schnell daran und nehmen diesen kaum als Beeinträchtigung wahr.

Das Tragen des Helmes mag zu Beginn etwas ungewohnt sein. Babys gewöhnen sich aber rasch daran und nehmen den Helm nicht mehr als störend wahr. Damit die Therapie erfolgreich ist, muss Dein Baby den Helm dauerhaft tragen. Nur zur Reinigung des Helmes oder beim Waschen des Babys wird die Orthese abgenommen.

Mithilfe der Helmtherapie lässt sich die Kopfform bis etwa zum Ende des ersten Lebensjahres beeinflussen. Je nach Ausprägung der Verformung muss Dein Baby den Helm bis zu sechs Monate tragen, damit die gewünschte Form wiederhergestellt ist.

Bestätigte Wirkung

Die Helmtherapie mag im Vergleich zu anderen Optionen, wie der Lagetherapie mit einem größeren Aufwand einhergehen. Daher könntest Du Dir die Frage stellen, wie sinnvoll es ist durchgängig den Helm zu tragen und ob es nicht simplere Behandlungsmöglichkeiten gäbe, die ebenso zum Erfolg führen.

Zu diesem Zweck wurden verschiedene Studien[4] durchgeführt, die die Wirksamkeit der Helmtherapie untersuchten. Diese kamen zu dem Ergebnis, dass diese Form der Behandlung am wirksamsten sei. Durch den Einfluss des Helms lasse sich die Seite, an welcher die Verformung auftrete, wieder angleichen und die Schädeldeformitäten zurückbilden.

Im Vergleich sei eine Lagerungstherapie ebenso sinnvoll. Mit dieser würde sich auch die Form des Kopfes beeinflussen lassen. Allerdings ist die Wirksamkeit mit fortschreitendem Alter des Kindes geringer.

Wird die Behandlung erst ab etwa dem 7. Monat begonnen, ist häufig das Tragen des Helmes notwendig, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. In Kombination mit einer anderen Lagerung würden sich die besten Erfolge ergeben.

Weitere Behandlungsmaßnahmen

Die Helmtherapie stellt aufgrund des hohen Aufwandes erst die letzte Maßnahme dar, um die Form des Kopfes zu beeinflussen. Werden die Schädelverformungen frühzeitig erkannt, stehen andere Therapieformen zur Verfügung.

Lagerungstherapie

Stellst Du frühzeitig fest, dass am Hinterkopf aufgrund der langen Schlafdauer eine Verformung auftritt, ist eine Lagerungstherapie[5] häufig erfolgversprechend. Bei dieser achtest Du einfach darauf, dass Dein Baby den Kopf nicht immer zur gleichen Seite ablegt. Dies erreichst Du, indem Du etwa mit einem Mobilé Dein Kind dazu animierst den Kopf doch zur anderen Seite zu drehen. Dadurch wird der Druck besser verteilt und die Kopfdeformitäten gehen langfristig zurück.

Kopfposition verändern

Achte darauf, dass Dein Baby den Kopf nicht immer zur gleichen Seite ablegt. Variiere die Schlafposition mit einem komfortablen Kissen und die Belastung wirkt gleichmäßig auf den Kopf, sodass eine Verformung unwahrscheinlich ist.

Hilfreich ist hierfür das Verwenden eines Lagerungskissens. Dieses verfügt über Aussparungen in der Mitte, um den Druck am Kopf besser zu verteilen. Damit beugst Du einer Veränderung der Kopfform vor und förderst die Gesundheit.

Bauchlagerung

Entlastung Kopf
Zur Entlastung des Kopfes ist es sinnvoll, Dein Baby für einen kurzen Zeitraum auf den Bauch zu legen

Dein Baby sollte aus gesundheitlichen Gründen ausschließlich auf dem Rücken schlafen. Zwischenzeitlich ist die Bauchlage aber nützlich, um die Belastung vom Kopf zu nehmen. Lege Dein Baby für etwa 30 Minuten bewusst auf den Bauch, wenn es wach ist. Spiele etwas und führe Bewegungsübungen durch. So nimmst Du nicht nur den Druck vom Kopf, sondern förderst gleichzeitig die Koordinationsfähigkeit Deines Babys.

Auf den Arm nehmen

Schläft Dein Baby am liebsten auf Deinem Arm ein, dann achte darauf, dass dies ebenfalls nicht immer in der gleichen Position geschieht. Förderlich ist es, wenn Du es mal auf den linken, mal auf den rechten Arm nimmst. Dann entsteht eine gleichmäßige Belastung, sodass eine Verformung unwahrscheinlich ist.

Kostenübernahme der Krankenkasse

Für die Helmtherapie ist es notwendig eine individuelle Orthese anzufertigen. Die Kosten für die Behandlung belaufen sich, je nach Ausprägung der Verformung und Dauer der Therapie, auf bis zu 2.500€.

Als Eltern eines Neugeborenen sind dies Kosten, die für viele Familien eine hohe finanzielle Belastung darstellen. Um diese Kosten aufzufangen, steht die Krankenkasse als Ansprechpartner zur Verfügung. Diese ist dafür zuständig, benötigte Hilfsmittel zu erstatten.

Aufwendige Kostenübernahme

Krankenkassen bevorzugen die Lagerungstherapie gegenüber der Helmtherapie, da diese weisentlich günstiger ist. Die Kosten für den speziell angefertigten Helm werden nur übernommen, wenn eine Alternativtherapie nicht den gewünschten Erfolg bringen würde. Dies muss vom Kinderarzt bestätigt werden.

Die Kostenübernahme gestaltet sich jedoch als schwierig. Krankenkassen lehnen immer öfter Anträge für die Kostenerstattung der Helmtherapie ab. Als Begründung werde angegeben, dass eine Lagerungstherapie wesentlich günstiger und in der Wirkung vergleichbar sei. Ist die Verformung jedoch so stark, dass der Kinderarzt nur die Helmtherapie als sinnvoll erachtet, ist eine Kostenübernahme in Einzelfällen möglich. Dabei gehst Du wie folgt vor:

Der Facharzt der Orthopädie muss die Schädelverformung und die Notwendigkeit der Helmtherapie bestätigen
Gleichzeitig muss die Einschätzung erfolgen, dass alternative Behandlungen nicht den gewünschten Erfolg bringen
Ohne die Helmtherapie würden Folgekosten entstehen, die wesentlich höher als die Behandlungskosten seien

Treffen diese Punkte bei Dir zu und spricht sich der Facharzt klar für die Helmtherapie aus, übernimmt in den meisten Fällen die Krankenkasse die Kosten[6]. Keinesfalls solltest Du allerdings zunächst eigenmächtig den Helm anschaffen. Dann wäre eine Kostenübernahme nicht mehr möglich. Nimm daher frühzeitig mit der Krankenkasse Kontakt auf, damit die Kosten geklärt sind und die Kopforthese unverzüglich angefertigt werden kann.

Die Helmtherapie für eine gesunde Kopfform

Babys besitzen einen hohen Schlafbedarf. Die meiste Zeit des Tages verbringen Sie in der Kinderwiege und liegen auf dem Rücken. Da der Schädel noch weich und flexibel ist, kann die immer gleiche Schlafposition dazu führen, dass sich der Schädel verformt.

Eine Helmtherapie ist dann notwendig, falls eine Veränderung des Schlafverhaltens allein nicht mehr zum Rückgang der Schädelverformungen führt. Dann ist das Tragen des Helmes für bis zu 23 Stunden am Tag notwendig, um die Form des Kopfes bewusst zu beeinflussen.

Da dies mit einem höheren Aufwand und mitunter Kosten einhergeht, ist es ratsam dem Plattkopf beim Baby vorzubeugen. Nutze ein Lagerungskissen und variiere leicht die Schlafposition Deines Babys. Damit schützt Du den noch empfindlichen Kopf und förderst den Schlaf Deines Babys.

Sebastian Jacobitz (M.Sc.)
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