RatgeberWie schlafen Astronauten im Weltall?

Wie schlafen Astronauten im Weltall?

Dich abends in Deine gemütliche Decke zu packen, ein Buch zu lesen und auf dem Nachttisch ein Glas Milch stehen zu haben. Kannst Du Dir kaum vorstellen, wie die Nachtruhe besser verlaufen könnte?

Nicht jedem ist solch ein bequemes Bett vorbehalten. Ganz anders ergeht es etwa Astronauten. Diese müssen mit einem gänzlich anderen Tag-Nacht-Rhythmus und der Schwerelosigkeit kämpfen. Den Sonnenauf- und Untergang erleben Sie ganz anders und einfach nach einem anstrengendem Tag in das Bett legen ist nicht möglich.

Wie schlafen Astronauten und worauf müssen Sie für eine maximale Erholung achten?

Der Tagesablauf des Astronauten

Astronauten befinden sich hauptsächlich zu Forschungszwecken im Weltraum. Sie sind auf der Internationalen Raumstation[1], um dort verschiedene Versuche in der Schwerelosigkeit durchzuführen. Es herrschen gänzlich andere Bedingungen als auf der Erde, weshalb dies für Experimente neue Möglichkeiten eröffnet.

Doch den ganzen Tag verbringen Astronauten nicht mit dem Forschen. Um den Effekten der Schwerelosigkeit entgegenzuwirken, absolvieren Sie ein schweißtreibendes Trainingsprogramm. Denn ohne die Erdanziehung muss die Muskulatur viel weniger arbeiten und würde sich im Weltall zurückbilden. Nach der Rückkehr auf der Erde würde der Körper mit dieser Aufgabe überfordert sein. Daher steht jeden Tag ein aufwendiges Trainingsprogramm auf dem Plan, um die Muskulatur aufrechtzuerhalten.

Der Tagesablauf besteht also im Wesentlichen aus der Forschungsarbeit und Sport. Da ist es kein Wunder, dass Körper und Geist eine effektive Erholung benötigen, um diese Aufgaben zu bewältigen. Ein guter Schlaf ist auch für Astronauten die Grundlage, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Tag-Nacht-Rhythmus im Weltall

Unser Körper ist an den Tag- und Nachtrhythmus der Erde gewöhnt. Jeder Tag dauert, abgesehen von der Zeitumstellung, 24 Stunden. Morgens geht die Sonne auf, der Tag beginnt und abends, wenn die Sonne untergeht, läutet dies die Nachtruhe ein.

Selbst dieser Rhythmus stellt für einige Personen bereits eine Herausforderung dar. Denn über das Jahr verteilt ändern sich die Sonnenauf- und Untergangzeiten ständig. Während im Juni die Sonnenwende zum längsten Tag führt und zwischen Aufgang und Untergang rund 16 Stunden liegen, ist dies im Winter gänzlich anders. Dort steht die Sonne nur rund 8 Stunden am Horizont. Dieser Lichtmangel[2] kann bereits zu Symptomen einer Winterdepression führen und beeinflusst das Wohlbefinden sowie den Schlaf maßgeblich.

ISS - Tagesrhythmus
Astronauten erleben auf der ISS innerhalb von 24 Stunden 16 Mal den Sonnenaufgang und Untergang

Astronauten haben hingegen mit einem ganz anderen Rhythmus zu kämpfen. Während Sie sich auf der ISS befinden, geht die Sonne 16 Mal auf und wieder unter. Denn die Raumstation umkreist die Erde in nur 90 Minuten, weshalb nicht der gewöhnliche Tag-Nacht-Rhythmus zustandekommt. Sie leben in einem ständigen Wechsel zwischen Tag und Nacht.

Um sich von dem Sonnenlicht nicht blenden zu lassen, werden Schlafmasken oder abgedunkelte Kabinen zum Schlafen verwendet. Damit ist ein ähnlicher Schlafrhythmus wie auf der Erde möglich.

Wie lange schlafen Astronauten?

Wenn es um die Schlafdauer von Astronauten geht, stehen die wildesten Mythen im Raum. Es wird etwa gesagt, dass diese nur für wenige Minuten alle paar Stunden schlafen. Der polyphasische Schlaf würde für eine Erholung sorgen, ohne zu viel Zeit in Anspruch zu nehmen. Dabei würde zum Beispiel an eine Wachphase von 4 Stunden eine Schlafdauer von 20 Minuten angeschlossen. Anstatt einer langen Schlafeinheit würden also nur kurze Powernaps stattfinden.

Ganz so extrem scheint der Schlaf allerdings nicht zu sein. Denn die ESA schreibt dazu selber, dass nach dem Abschluss jeden Tags ein Schlaf von 8 Stunden eingeplant[3] ist. Damit unterscheidet sich die Schlafdauer kaum von der Erde und Astronauten versuchen auch unter diesen veränderten Bedingungen einen möglichst langen Schlaf zu erhalten.

Gleiches gibt auch die NASA[4] an. Sie gesteht Ihren Astronauten ebenfalls eine Schlafdauer von 8 Stunden zu. Der Schlaf kann dabei von einem Toilettengang oder anderen Faktoren unterbrochen werden.

Das Einschlafen gelingt allerdings nicht ganz so leicht. Beschwerden wie Übelkeit oder Schwindel treten in der Schwerelosigkeit zunächst häufiger auf und der Körper muss sich erst an diese Bedingungen gewöhnen. Auch die Aufregung führt dazu, dass an den Schlaf kaum zu denken ist. Der Blick aus dem Fenster erscheint spannender, sodass die Schlafdauer zu Beginn der Mission meist niedriger ausfällt.

Schlafumgebung der Astronauten

Was das Schlafverhalten angeht, unterscheiden sich der Weltraum kaum von der Erde. Astronauten versuchen ebenso eine längere Schlafphase von 8 Stunden zu erhalten.

Allerdings sieht die Schlafumgebung wesentlich anders aus. Denn ein gemütliches Bett lässt sich im Weltraum nicht vorfinden. Die Schwerelosigkeit erfordert kreative Lösungen, um einen komfortablen Schlafplatz zu schaffen.

Eine Gefahr besteht für Astronauten darin, dass Sie während des Schlafens unkontrolliert in der Raumstation schweben. Dies stellt ein Risiko sowohl für die Person als auch die komplexe Technik dar. Daher ist es wichtig, dass Astronauten sich festschnallen und gut gesichert sind.

Zum Schlafen begeben sich Astronauten in eine Art Schlafsack. Dieser ist an der Wand befestigt und gewährt eine hohe Sicherheit. Die Astronauten begeben sich mit dem gesamten Körper hinein und schließen den Schlafsack zu. Nur Kopf und Oberkörper schauen hinaus.

Ungewohnt ist zudem, dass nicht das Gefühl des Liegens aufkommt. Astronauten schlafen praktisch im Stehen. Sie können nicht Ihre gewohnte Schlafposition einnehmen, was zu Beginn eine Umgewöhnung erforderlich macht. Astronauten, die bevorzugt auf der Seite schlafen, scheinen davon besonders betroffen zu sein. Denn das typische Gefühl auf der Seite zu liegen fehlt komplett.

Wichtig ist zudem, dass der Raum ausreichend belüftet ist. Einfach mal das Fenster öffnen, um frische Luft vor dem Schlafengehen hineinzulassen ist auf der ISS natürlich nicht möglich. Deshalb sind die Schlafkojen mit einer Ventilationsanlage ausgestattet. Andernfalls würde sich um die schlafende Person eine Art Blase aus Kohlendioxid um den Kopf bilden. Ohne Bewegung des Astronauten bleibt diese dort statisch und könnte im Schlaf zum Ersticken führen. Durch die Ventilation wird die Luft aber weggetragen, sodass das ausgeatmete Kohlendioxid keine Gefahr darstellt.

Astronauten genießen die Nachtruhe in einem festgeschnallten Schlafsack. Dabei haben Sie zwar ein Kissen und eine weiche Unterlage, doch dieses Gefühl ist weit von einem gemütlichen Bett entfernt.

Erholung für Gelenke & Muskulatur

Dennoch hat dieser einzigartige Schlaf auch Vorteile. Liegst Du auf Deiner Matratze und wachst morgens mit Verspannungen und Schmerzen auf? Häufig sind der obere Rücken und der Nacken von diesen Beschwerden betroffen. Eine falsche Körperhaltung in der Nacht kann schnell dazu führen, dass Du Dich „verlegen“ hast und der Hals sich steif anfühlt.

In der Schwerelosigkeit treten diese Probleme nicht auf. Wirbelsäule und Gelenke finden vielmehr zu ihrer natürlichen Position. Dies trägt maßgeblich zur Entspannung bei und die Belastung für den Körper ist minimal.

Astronauten berichten daher, dass der Schlaf in der Schwerelosigkeit sich besser anfühle als auf der Erde. Es benötigt zwar etwas Eingewöhnungszeit, doch danach gebe es kaum ein angenehmeres Schlafgefühl.

Verwenden Astronauten Wecker?

Um einem geregelten Tagesablauf nachzugehen, können selbst Astronauten nicht ausschlafen. Sie werden zu einer festgelegten Zeit vom Wecker zum Aufstehen gebracht. Hierbei verwenden Sie entweder einen gewöhnlichen Wecker oder Musik. Das Weckverhalten unterscheidet sich also kaum von der Erde.

Schnarchen Astronauten beim Schlafen?

Ursächlich für das Schnarchen ist meist eine Beeinträchtigung der Atemwege. Dies geschieht etwa durch die Zunge oder dem Gaumensegel. Die Schwerkraft lässt die Zunge in den Rachen fallen, weshalb die lauten Atemgeräusche entstehen.

In der Schwerelosigkeit des Weltalls schnarchen Astronauten seltener[5]. Die Atemwege sind freier und die Probleme treten kaum in Erscheinung.

Der besondere Schlaf der Astronauten

Im Wesentlichen ist das Schlafverhalten der Astronauten wahrscheinlich ähnlicher, als Du erwartet hättest. Auch Sie probieren eine längere Schlafphase von 8 Stunden einzuhalten, um ausgeruht der Arbeit nachzugehen. Dabei werden Sie genauso von Schlafstörungen geplagt, wie dies auf der Erde der Fall sein kann.

Zusätzlich stellt die Schwerelosigkeit eine größere Herausforderung dar. Astronauten können sich nicht einfach in ein gemütliches Bett legen, sondern müssen mit einem Schlafsack vorlieb nehmen. Es herrscht eher ein Gefühl als würden Sie im Stehen schlafen, was zunächst eine Gewöhnung benötigt. Danach berichten Astronauten, dass der Schlaf erholsamer sei als auf der Erde. Gelenke und Muskulatur können sich entspannen und sind nicht der Schwerkraft ausgesetzt. Es scheint also auch mit Vorteilen verbunden zu sein in der Schwerelosigkeit zu schlafen.

Sebastian Jacobitz (M.Sc.)
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