RatgeberSchlafwandeln - Ursachen & Gefahren

Schlafwandeln – Ursachen & Gefahren

Schlafwandler stehen ohne Bewusstsein aus Ihrem Bett auf und bewegen sich, scheinbar sicher, in der Umgebung. Auf den ersten Blick mag es komisch wirken das Schlafwandeln wahrzunehmen. Doch in einigen Fällen stellt die nächtliche Wanderung eine Gesundheitsgefahr dar.

Das Schlafwandeln ist eine Form der Schlafstörungen und unbedingt ernstzunehmen. Tritt dieses Verhalten gehäuft auf, ist der Arzt aufzusuchen. Interessierst Du Dich tiefergehend für dieses Phänomen, erfährst Du im Folgenden alles über diese ungewöhnliche Verhaltensweise.

Was ist das Schlafwandeln?

Das Schlafwandeln ist auch unter dem Fachbegriff des Somnambulismus bekannt. Es beschreibt einen Zustand, in welcher die betroffene Person verschiedene Handlungen ausführt. Oftmals sind dies Tätigkeiten aus dem Alltag, die unbewusst durchgeführt werden. Etwa das Anziehen von Kleidungsstücken, die Zubereitung des Frühstücks oder das Zähneputzen.

Schlafwandler erleben diese Handlungen nicht bewusst. Sie befinden sich weiterhin in der Schlafphase und besitzen selbst am nächsten Morgen keine Erinnerung daran.

Das Schlafwandeln ist jedoch nicht wörtlich zu nehmen. Teilweise bedeutet es, dass Betroffene sich nur im Bett aufrichten, vielleicht etwas vor sich hinmurmeln und danach weiterschlafen, als wäre nichts gewesen. Es könnte aber auch sein, dass Sie aufgeschreckt im Bett sitzen und panisch wirken. Auch in diesen Fällen vergeht der Zustand meist nach wenigen Minuten und wird von den Betroffenen nicht wahrgenommen.

Dieses Schlafphänomen ist weiter verbreitet, ist Du es vermuten magst. Insbesondere Kinder sind häufiger als Schlafwandler unterwegs. Schlafmediziner nehmen an, dass ca. 15 bis 30 Prozent aller Kinder[1] mindestens ein Mal vom Schlafwandeln betroffen waren. Bei jedem zwanzigsten Kind tritt diese Schlafstörung vermehrt auf, sodass Eltern Sie regelmäßig beim Schlafwandeln antreffen und darauf reagieren müssen.

Welche Prozesse laufen im Körper ab?

Das Schlafwandeln ist eine Störung während der Tiefschlafphase. Es findet eine Unterbrechung des Schlafprozesses statt, ohne das Bewusstsein zu erlangen. Daher ist es präziser unter den Aufwachstörungen einzuordnen.

Ein gelegentliches Aufwachen während der Nacht ist vollkommen normal[2]. In den meisten Fällen ist dies aber so kurz, dass Du Dich am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern kannst. Du liegst dabei weiterhin im Bett und schläfst sanft wieder ein.

Musst Du hingegen nachts auf die Toilette, erlangst Du das volle Bewusstsein. Du kannst Dich frei bewegen, aus dem Bett aufstehen und magst zwar müde sein, doch bist Du vollständig aus dem Tiefschlaf erwacht.

Anders sieht dies bei Schlafwandlern aus. Bei Ihnen ist nur das Areal des Gehirns aktiv, welches für die Bewegungsabläufe zuständig ist. Die restlichen Bereiche des Gehirns befinden sich weiterhin in einem leichten Schlaf. Daher erlangen Betroffene nicht das Bewusstsein und haben keine Kontrolle darüber, welche Handlungen Sie ausführen.

Schlafwandler wirken auf Außenstehende völlig abwesend. Das Ansprechen ist in dieser Phase wenig erfolgversprechend und wird kaum wahrgenommen. Erst wenn die Betroffenen aufwachen, bemerken Sie, dass Sie schlafgewandelt sind und nehmen die Umgebung wieder bewusst wahr.

Das Schlafwandeln ist demnach eine Schlafstörung im Bereich des Tiefschlafs, bei welcher Teile des Gehirns überaus aktiv sind, während andere Bereiche sich weiterhin in der Ruhephase befinden.

Ursachen des Schlafwandelns

Weshalb das Schlafwandeln auftritt, ist wissenschaftlich nicht vollständig erschlossen. Ein alter Mythos besagt, dass Betroffene sich zum Licht bewegen. Daher wird das Schlafwandeln auch als Mondsüchtigkeit[3] (Lunatismus) bezeichnet. Heutzutage könnten neben dem Mond auch andere Lichtquellen eine ähnliche Anziehungskraft ausstrahlen. Da der Vollmond am hellsten strahlt, wurden in diesen Nächten angeblich besonders viele Schlafwandler beobachtet.

Hierbei handelt es sich aber eher um alte Motive, die mit der Realität kaum etwas zu tun haben. Sie werden in Büchern und Filmen zwar vielfach aufgegriffen, doch dass Schlafwandler tatsächlich die Nähe zum Mond suchen, ist nicht bestätigt.

Schlafforscher vermuten, dass die Ursachen des Schlafwandelns eng verwandt sind mit den sonstigen Schlafstörungen. So können etwa genetische Faktoren das Auftreten begünstigen. Auch ein nicht vollständig entwickeltes zentrales Nervensystem könnte eine Erklärung dafür sein, dass Kinder einem wesentlich höherem Risiko ausgesetzt sind. Tritt das Schlafwandeln erstmalig im Erwachsenenalter auf, solltest Du den Arzt aufsuchen. Es besteht der Verdacht, dass dies nur ein Begleitsymptom anderer Erkrankungen ist, die Du dringend untersuchen solltest.

Als weitere auslösende Faktoren gelten:

Stress
Unregelmäßiger Schlafrhythmus
Nebenwirkungen von Medikamenten
Hohe psychische Belastung
Alkohol- oder Drogenkonsum
Schlafmangel
Depressionen
Neurologische Erkrankungen

Somit sind die Faktoren ähnlich derer, die auch andere Schlafstörungen begünstigen und das Einschlafen erschweren oder zu einem häufigeren Aufwachen führen. Daher gilt es im Rahmen des Somnambulismus auf ein gesünderes Schlafverhalten zu achten. Das Einhalten der Schlafhygiene hilft dabei eine höhere Schlafqualität zu erreichen und morgens ausgeruhter den Tag zu beginnen.

Welche Gefahr besteht beim Schlafwandeln?

Schlafwandler bewegen sich in diesem Zustand scheinbar sicher. Sie führen die Handlungen unterbewusst aus und es scheint, als würde keine Gefahr bestehen. Daher hat sich der falsche Eindruck einer „schlafwandlerischen Sicherheit[4]“ durchgesetzt.

Denn auch wenn für gewöhnlich Schlafwandler keine Gefahr darstellen und nach kurzer Zeit wieder in das Bett gehen, besteht dennoch ein gesundheitliches Risiko. Denn es könnte passieren, dass Schlafwandler den Herd aufdrehen, sich an Messern verletzten oder anderweitig einen Schaden anrichten. In Extremfällen ist es auch möglich, dass Schlafwandler die Wohnung verlassen oder vom Balkon stürzen. Außerhalb der Wohnung ist die Unfallgefahr wesentlich höher. Im Dunkeln könnten Sie von einem Auto erfasst werden, sodass das Schlafwandeln lebensgefährlich ist.

Schlafwandeln Gefahr
Eine schlafwandlerische Sicherheit gibt es nicht – Daher bestehen beim Schlafwandeln eine große Verletzungsgefahr und Unfrallrisiko

Tritt das Schlafwandeln gehäuft auf, sind Sicherungsmaßnahmen durchzuführen, sodass möglichst jede Gefahren vermieden werden. Ein Verlassen der Wohnung sollte nicht möglich und andere gefährliche Gegenstände sicher verwahrt sein. Eine langfristige Behandlung hilft dabei, das Schlafwandeln zu reduzieren.

Vorsichtsmaßnahmen

Unmittelbar nach dem ersten Schlafwandeln bietet es sich an bestimmte Schutzmaßnahmen durchzuführen. Denn nicht immer gelingt es Dir Dein Kind dabei zu beobachten und sicher zum Bett zu begleiten.

Es mag zwar dramatisch klingen, doch das Schlafwandeln stellt eine große Gefahr dar. Die folgenden Maßnahmen helfen das Unfallrisiko zu mindern:

Fenster und Türen schließen sowie mit einer Sicherung versehen
Das Schlafzimmer möglichst aufgeräumt lassen, sodass keine Stolperfallen bestehen
Möbelstücke mit einem Kantenschutz versehen
Gegenstände entfernen, die leicht zu Bruch gehen können (Gläser, Vasen, Spiegel)
Regale und Schränke sicher in der Wand verankern

Auf diese Weise hast Du die größten Gefahrenquellen reduziert. Besteht dennoch eine Angst, gibt es spezielle Matratzen für Schlafwandler. Diese sind mit einer Klingel ausgestattet, die ertönt, sobald Schlafwandler aus dem Bett aufstehen. Auch ein Nachtlicht mit Bewegungsmelder und integriertem Alarm könnte signalisieren, dass Dein Kind gerade das eigene Zimmer verlassen hat und möglicherweise schlafwandelt.

Behandlungsmöglichkeiten

Das Schlafwandeln bleibt meistens bei einem einmaligen Ereignis. Tritt es mehrmals auf, sind die Gefahren nicht zu unterschätzen. Neben dem Unfall- und Verletzungsrisiko leidet auch das Schlafverhalten darunter. Der Schlaf ist weniger erholsam und am nächsten Morgen tritt eine höhere Müdigkeit auf. Die Folgen des Schlafmangels sind deutlich spürbar und mindern die Lebensqualität.

Der richtige Ansprechpartner für diese besondere Form der Schlafstörung ist ein Neurologe. Häufig tritt das Schlafwandeln in Verbund mit anderen neurologischen Erkrankungen, wie der Epilepsie und dem Restless-Legs-Syndrom auf. Das Schlafwandeln äußert sich als weiteres Symptom dieser Krankheiten.

Gemeinsam mit dem Neurologen ist eine Behandlung der Grunderkrankung möglich. In der Folge sollte sich ein deutlicher Rückgang des Schlafwandelns zeigen.

Es könnte aber auch sein, dass das Schlafwandeln aufgrund einer Stressbelastung oder eines Traumas auftritt. Dann ist eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll, um diese unterdrückten Gefühle zu verarbeiten.

Eine medikamentöse Behandlung ist ebenso vorstellbar, falls eine unmittelbare Lebensgefahr besteht. Möglicherweise geht das Schlafwandeln mit einem aggressivem oder selbstverletzendem Verhalten einher. Dann ist die Gabe von Medikamenten nötig, um das Gesundheitsrisiko zu mindern.

Darfst Du Schlafwandler wecken?

Begegnest Du einem Schlafwandler, könnte der erste Instinkt darin bestehen diesen aufzuwecken. Schließlich erscheint es sinnvoll das Bewusstsein wiederzuerlangen und danach selbstständig in das Bett zu finden.

In der Realität ist es jedoch gefährlich einen Schlafwandler aufzuwecken. Dieser befindet sich noch in einer Tiefschlafphase und könnte von Deinem Weckversuch vollkommen überrascht sein. Es besteht die Gefahr, dass er panisch reagiert oder das Gleichgewicht verliert. Somit besteht eine Gesundheitsgefahr nicht nur für den Schlafwandler, sondern auch für Dich.

Besser ist es, den Schlafwandler möglichst sanft zum Bett zu begleiten. Du kannst hierfür einen leichten Druck auf die Schulter geben oder die Hand greifen. Versuche so sanft wie möglich vorzugehen, damit die Person nicht aus dem Tiefschlaf erwacht.

War dieser Versuch erfolgreich, dann warte noch einen kurzen Moment ab, um sicherzugehen, dass der Betroffene wieder fest schläft. Das Aufwecken sollte nur eine letzte Maßnahme darstellen, falls durch das Schlafwandeln eine größere Bedrohung besteht als etwa einem Sturz.

Schlafwandeln bei Kindern

Kinder sind deutlich häufiger vom Schlafwandeln betroffen. Etwas weniger als ein Drittel aller Kinder leidet unter dieser Schlafstörung mindestens ein Mal. Im Laufe des Erwachsenwerdens geht die Häufigkeit jedoch zurück. Nur noch vier Prozent der Erwachsenen begeben sich während der Nacht unbewusst aus dem Bett.

Gründe für das gesteigerte Risiko bei Kindern ist in dem Entwicklungszustand des zentralen Nervensystems zu sehen. In Verbindung mit einer Übermüdung, Stress oder psychischen Belastung, neigen Kinder eher dazu zu Schlafwandler zu werden.

Auch genetische Faktoren spielen hierbei eine Rolle, da nachgewiesen werden konnte, dass dieses Phänomen häufiger bei Kindern auftritt, dessen Eltern ebenfalls als Schlafwandler bekannt sind. Ein bis zu 10-fach gesteigertes Risiko ist ein klares Signal dafür, dass die genetische Veranlagung[5] einen großen Einfluss auf das Schlafwandeln nimmt.

Wie lässt sich dem Schlafwandeln vorbeugen?

Das Schlafwandeln mag sich harmlos anhören. Eine schlafwandlerische Sicherheit gibt es allerdings nicht und Gesundheitsgefahren stellen eine große Bedrohung dar. Daher ist es ratsam diesem Verhalten vorzubeugen.

Grundsätzlich müssen zunächst die Ursachen im Rahmen einer professionellen Behandlung ergründet werden. Dann ist eine Therapie möglich, die zu einem geringeren Auftreten des Schlafwandelns führt.

Lassen sich keine Ursachen finden, ist die Qualität des Schlafes zu überprüfen. Stellst Du das Schlafwandeln bei Dir fest und fühlst Du Dich ständig müde und wenig ausgeruht?

Dann beachte die Tipps der Schlafhygiene. Halte regelmäßige Schlafenszeiten ein, verzichte auf das Smartphone am Abend und nutze den Abend zur Entspannung. Dann linderst Du den Stress und erfährst eine allgemein höhere Lebensqualität.

Schlafmangel und Stress gehören zu den Hauptauslösern des Schlafwandelns. Indem Du Dich vermehrt diesen Themen widmest, verbesserst Du den Schlafprozess und wirst die Symptome eines schlechten Schlafes mindern.

Nachts auf Wanderschaft gehen

Es ist ein häufig verwendetes Motiv in Filmen. Das Schlafwandeln wird dabei auf humoristische Weise verarbeitet oder mit Verbrechen in Verbindung gebracht.

In der Realität solltest Du das Schlafwandeln nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es drohen Unfälle im eigenen Haushalt und Gefahren, falls Du sogar die Wohnung verlässt.

Ursächlich für dieses Phänomen ist eine Störung des Tiefschlafs. Bereiche des Gehirns, die für die Bewegungen verantwortlich sind, sind aktiv, während das Bewusstsein nicht erlangt wird. Dadurch führen Schlafwandler unterbewusst Handlungen aus, die Sie aus dem Alltag kennen.

Kinder sind häufiger betroffen als Erwachsene. Begegnest Du einem Schlafwandler, darfst Du Ihn nicht wecken. Es besteht die Gefahr, dass der Betroffene überrascht ist und in Panik gerät. Besser ist es die Person zum Bett zu führen und weiterschlafen zu lassen.

Tritt das Schlafwandeln häufiger auf, sind Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und eine professionelle Therapie durchzuführen. Der Neurologe ist hierfür der richtige Ansprechpartner, welcher der Schlafstörung auf dem Grund geht und den Somnambulismus[6] behandelt.

Sebastian Jacobitz (M.Sc.)
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