Schlafstörungen im Alter – Ursachen & Behandlung

Das Schlafverhalten des Menschen ändert sich im Laufe des Lebens kontinuierlich. Während Babys fast den gesamten Tag verschlafen, sinkt der Schlafbedarf im Erwachsenenalter. Rund 6 bis 8 Stunden Schlaf gelten für die meisten Personen als angenehm.

Nicht alle Personen können diesen Schlafbedarf erfüllen. Sie leiden unter Schlafstörungen und wachen morgens mit einem müden Gefühl auf. Die Müdigkeit zieht sich durch den ganzen Tag und beeinflusst nicht nur die Leistungsfähigkeit. Auch Erkrankungen, zum Beispiel des Herz-Kreislauf-Systems, sind die Folge.

Besonders hoch ist die Zahl der unter Schlafstörungen leidenden, im fortgeschrittenen Alter[1]. Nach Schätzungen ist ab einem Alter von 65 Jahren fast jede zweite Person betroffen. In der Gesellschaft ist dieses Thema jedoch selten im Fokus. Denn eigentlich verfügen Rentner über alle Zeit der Welt und müssen sich nicht mehr dem Druck der Arbeitswelt hingeben.

Dennoch müssen Schlafstörungen im Alter mehr in den Fokus gerückt werden. Denn sie lindern ebenso die Lebensqualität der älteren Menschen und Alterserscheinungen treten früher auf.

Weshalb treten die Schlafstörungen im Alter auf

Ältere Menschen gehen einem ganz anderen Tagesablauf nach als noch während der Arbeitswelt. Eigentlich können Sie der inneren Uhr folgen, doch dies scheint mit immer mehr Problemen verbunden zu sein. Die folgenden Gründe richten sich ganz speziell an die Schlafstörungen im Alter.

Verkürzte Schlafphasen

Die Schlafphasen beeinflussen maßgeblich, wie erholsam die Nacht ist. Während der Tiefschlafphase findet ein wesentlicher Teilt der Regeneration statt.

Im Alter ergibt sich das Bild, dass die Schlafphasen kürzer verlaufen. Es scheint ein natürlicher Prozess im zunehmenden Alter zu sein, dass die Tiefschlafphase weniger lang ist. Dadurch tritt morgens eine höhere Müdigkeit auf und Betroffene fühlen sich kaum ausgeruht.

Leichter reizbar

Es gibt jedoch auch äußere Faktoren, die zu einer Verkürzung des Tiefschlafes beitragen. Der Schlaf der älteren Menschen gestaltet sich als weniger tief. Sie reagieren auf Störungen empfindlicher. Licht oder Geräusche nehmen Sie eher wahr und wachen dadurch auf. Einmal wach, fällt es schwer wieder in den Schlaf zu finden. Bei ungünstigen Schlafbedingungen sind die Schlafstörungen vorprogrammiert.

Zu wenig Aktivität

Wenig Bewegung - Alter
Ein träger Lebensstil führt zu einem schlechteren Schlaf im Alter

Ausreichend Bewegung und geistige Aktivität sind für alle Menschen wichtig, um nachts besser einzuschlafen. Durch die körperliche Betätigung tritt am Abend eine Müdigkeit auf, die das Einschlafen fördert.

Ältere Menschen, insbesondere jene die in Pflegeeinrichtungen wohnen, verfügen häufig nicht über eine ausreichende körperliche Betätigung. Sie zeigen wenig Initiative und verbringen die Zeit meist im eigenen Zimmer.

Ohne Aktivität verspürt der Körper keine Müdigkeit. Das Einschlafen fällt schwer und Schlafstörungen im Alter treten auf.

Vermehrter Tagesschlaf

Durch die Schlafstörungen im Alter entsteht ein gewisser Teufelskreis. Eine Tagesmüdigkeit tritt auf, die dazu führt, dass ältere Menschen häufiger einen Mittagsschlaf durchführen. Dieser mag zwar helfen den Schlafdruck zu senken, doch in der Folge ist es kaum mehr möglich am Abend zu einer geregelten Zeit einzuschlafen. Der Tag-Nacht-Rhythmus gerät durcheinander, sodass der Schlaf darunter leidet.

Besser ist es, wenn feste Schlafenszeiten eingehalten und kein Mittagsschlaf durchgeführt werden. Dann sind die krankhaften Veränderungen des Schlafes weniger dramatisch.

Erkrankungen

Verschiedene Erkrankungen stehen bei älteren Menschen im Vordergrund und beeinflussen den Schlaf negativ. Zu den Krankheiten gehören u.a.:

Angststörungen
Depressionen
Multiple Sklerose
Parkinson
Schlaganfälle

Sowohl auf psychischer als auch körperlicher Ebene sind die Auswirkungen dieser Erkrankungen zu spüren. Der Körper bewegt sich unkontrolliert im Schlaf oder der Geist ist nicht in der Lage die notwendige Ruhe zu finden.

Ebenso sind Durchschlafstörungen im Zusammenhang mit der Medikation[2] möglich. Die Medikamente könnten zwar zu einer höheren Müdigkeit führen, doch dies äußert sich nicht in einer besseren Schlafqualität, sondern in einer Antriebslosigkeit während des Tages.

Arten der Schlafstörungen

Im zunehmenden Alter werden Schlafstörungen wahrscheinlicher. Die Ausprägungen ähneln aber den allgemeinen Formen.

Einschlaf- oder Durchschlafstörungen

Betroffenen fällt es schwer einzuschlafen. Pro Nacht liegen Sie für mehrere Stunden im Bett und obwohl eine Müdigkeit vorhanden ist, gelingt das Einschlafen nicht. Der Leidensdruck nimmt zu und ein Stress entsteht. Damit wird das Einschlafen noch schwerer und am nächsten Morgen tritt eine höhere Müdigkeit auf.

Einmal eingeschlafen könnte es vorkommen, dass Betroffene schnell wieder wach werden. Sei es, weil der nächtliche Harndrang Sie auf die Toilette zwingt oder andere Störungen auftreten.

In der Nacht aufzuwachen ist völlig normal. Im Regelfall wird dies aber nicht wahrgenommen und der Schlaf dadurch nicht gestört. Mit zunehmendem Alter werden diese Aufwachphasen intensiver und das Einschlafen gelingt kaum mehr.

Zu langes Schlafen

Langer Schlaf im Alter
Auch ein ausgiebiger Schlaf kann zu den Schlafstörungen im Alter führen

Nicht nur ein zu kurzer Schlaf führt dazu, dass Betroffene sich müde und ausgelaugt fühlen. Es kann auch sein, dass ältere Menschen über einen zu langen Schlaf verfügen. Wer mehr als 10 Stunden schläft und sich dennoch nicht erholt fühlt, leidet ebenso unter Schlafstörungen.

Die sogenannte Hypersomnie ist ein Indiz dafür, dass es keinen erholsamen Schlaf in der Nacht gibt. Dies könnte mit äußerlichen Störfaktoren verbunden sein. Häufig sind Atemwegserkrankungen für den hohen Schlafbedarf verantwortlich. Atemschwierigkeiten in der Nacht mindern die Sauerstoffaufnahme, sodass der Körper unter dem Mangel leidet. Die Regeneration ist gestört und trotz des längeren Schlafes tritt eine deutliche Müdigkeit ein.

Weitere Formen von Schlafstörungen

Innerhalb der Parasomnien werden weitere Ausprägungen der Schlafstörungen zusammengefasst. Darunter zählen:

Schlafwandeln
Albträume
Zähneknirschen
Sprechen im Schlaf
Wadenkrämpfe
Schnarchen

Unter den Parasomnie[3] werden eine Vielzahl von Störungen des Schlafverhaltens aufgeführt. Daher ist es wichtig bei vorhandenen Schlafstörungen die genaue Ausprägung zu berücksichtigen und in der Behandlung darauf einzugehen. Sowohl körperlich als auch geistige Ursachen können für diese Störungen verantwortlich sein.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei anhaltenden Schlafstörungen ist dringend der Arzt aufzusuchen. Es sollte keinesfalls das Leiden ignoriert und damit abgetan werden, dass Schlafstörungen im Alter einfach auftreten. Krankhafte Veränderungen des Schlafes müssen von keiner Person einfach hingenommen werden. In der Folge können Herz- und Lungenerkrankungen auftreten, die die Lebensqualität beeinträchtigen und zu einem starken Leiden führen.

Mit verschiedenen Therapieansätzen ist es möglich die Schlafstörungen zu behandeln. Keinesfalls sollten leichtfertig Medikamente eingenommen werden. Diese mögen zwar das Einschlafen erleichtern, doch sinkt die Schlafqualität und sie beheben nicht die Ursache der Schlafstörungen.

Strenge Schlafhygiene

Wie bei allen Schlafstörungen ist auch im Alter die Schlafhygiene ein wichtiger Punkt, um die Nachtruhe zu fördern. Dies bedeutet, dass feste Schlafens- und Aufwachzeiten eingehalten werden. Betroffene sollten den Mittagsschlaf meiden, da dieser die innere Uhr durcheinanderbringt.

Das Schlafzimmer ist möglichst ruhig gehalten und fördert die Entspannung. Falls möglich ist eine Abgrenzung zum restlichen Wohnraum vorhanden. Das Schlafzimmer wird nur in der Nacht genutzt, sodass Körper und Geist das Bett ausschließlich mit einem entspannten Schlaf verbinden.

Vor dem Schlafengehen ist die Benutzung von elektronischen Bildschirmen einzuschränken. Anstatt zum Einschlafen den Fernseher als Hilfsmittel zu nutzen, ist ein ruhiges Buch wesentlich förderlicher.

Mehr Bewegung im Alltag

Im fortgeschrittenen Alter ist es wichtig, dass ausreichend Bewegung in den Alltag integriert wird. Ein täglicher Spaziergang ist hierbei das Mindeste. Durch die Bewegung im Freien wird nicht nur die Bewegungsfähigkeit gefördert. Die Sonnenstrahlung hilft dem Körper zur Orientierung und die Müdigkeit wird überwunden. Mithilfe des Spazierganges wird ein konkreter Tagesrhythmus aufrechterhalten, sodass abends das Schlafen leichter fällt.

Lichttherapie

Lichttherapie gegen Schlafstörungen
Mit der Lichttherapie lassen sich leichte Schlafstörungen im Winter lindern

Gerade in den Wintermonaten könnte es vorkommen, dass Betroffene nicht genügend Licht erhalten. Das natürliche Sonnenlicht ist ein wichtiger Taktgeber und in den dunklen Monaten leiden einige Patienten unter einer ständigen Müdigkeit[4]. Auch die Winterdepression ist in diesem Zusammenhang nicht zu unterschätzen.

Aus diesem Grund bietet sich während dieser Zeit die Lichttherapie an. Bei dieser wird eine helle Tageslichtlampe verwendet, die eine ähnliche Charakteristik, wie das Sonnenlicht aufweist. Dem Körper wird auf diese Weise vorgespielt, dass er dem natürlichen Licht ausgesetzt ist. Das Schlafhormon Melatonin wird weniger gebildet und ein höherer Wachzustand erreicht. Durch die Lichttherapie wird ein höheres Energielevel erzielt und Betroffene fühlen sich viel aktiver.

Schlafrestriktion

Um eine völlige Neuausrichtung des Schlafrhythmus zu erreichen ist die Schlafrestriktion eine gute Methode. Diese wird vor allem bei Einschlafstörungen verwendet, bei denen Betroffene für mehrere Stunden wach im Bett liegen.

Bei der Schlafrestriktion wird bewusst die Schlafdauer eingeschränkt. Durch den herbeigeführten Schlafentzug tritt abends eine stärkere Müdigkeit auf und das Einschlafen gelingt leichter. Schritt für Schritt wird die Schlafdauer erhöht, bis diese ein normales Maß erreicht.

Die Schlafstörungen im Alter überwinden

Veränderungen des Schlafes treten während des gesamten Lebens auf. Im Alter geht der Schlafbedarf zwar zurück, doch ein immer größerer Anteil älterer Menschen leiden unter Schlafstörungen. Sie benötigen eine lange Zeit, um einzuschlafen oder werden leicht wieder wach.

Die Schlafstörung im Alter ist nicht zu unterschätzen. Die Schlafprobleme müssen ernst genommen und behandelt werden. Betroffene sollten auf eine gesunde und aktive Lebensweise achten. Auch die Schlafumgebung ist an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Verbessert sich das Schlafverhalten nicht, ist der Arzt der richtige Ansprechpartner. Dieser wird weitere Hinweise bezüglich eines gesünderen Schlafes geben.

Sebastian Jacobitz (M.Sc.)
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