RatgeberSchlafparalyse - Ursachen und Gefährlichkeit des Schlafphänomens

Schlafparalyse – Ursachen und Gefährlichkeit des Schlafphänomens

Gefangen im eigenen Körper. Die Schlafparalyse oder auch Schlaflähmung genannt, ist eine Schlafstörung, bei der Betroffene zwar bei Bewusstsein, aber nicht in der Lage sind sich zu bewegen. Der Geist scheint wie gefangen im eigenen Körper, ohne dass es möglich wäre dieser Situation zu entkommen.

Solch eine Erfahrung ist wohl der Albtraum vieler Personen. Fürchtest Du Dich auch davor eines Nachts mit der Schlafparalyse aufzuwachen?

Dann erfahre die Ursachen und ob dieses Phänomen gefährlich ist.

Was ist die Schlafparalyse

Im Schlaf ist völlig normal, dass der Körper nicht in der Lage ist Bewegungen auszuführen. Während der Schlaf von Babys und Kleinkindern noch deutlich unruhiger ist, ist dieser bei Erwachsenen wesentlich entspannter. Es wird zwar die Schlafposition häufiger gewechselt, doch ausladende Bewegungen treten nicht auf.

Die Schlafstarre ist dafür verantwortlich, dass Du zwar träumst, aber die dortigen Erlebnisse sich nicht in die Realität widerspiegeln. Du kannst im Traum so schnell rennen, wie es kein Mensch vor Dir geschafft hat und bleibst dabei völlig regungslos im Bett liegen.

Dies ist ein wichtiger Schutzmechanismus. Denn andernfalls drohst Du aus dem Bett zu fallen oder andere Verletzungen zu erleiden, wenn keine Schlafstarre eintreten würde. Normalerweise tritt diese Lähmung aber nur auf, wenn Du Dich in einer Schlafphase befindest.

Die einzelnen Schlafphasen

Während des Schlafes durchläuft der Bewusstseinszustand verschiedene Phasen. Diese sind durch eine unterschiedliche Aktivität des Gehirns gekennzeichnet und weisen eigene Eigenschaften auf.

Während des Einschlafens entspannt sich der Körper. Der Puls sinkt, die Atmung verlangsamt sich. In diesem ruhigen Zustand gehst Du in die nächste Schlafphase über.

Kurz nach dem Einschlafen tritt die Leichtschlaf-Phase ein. Bei dieser geht der Muskeltonus zurück und mitunter ist dies mit einem Zucken verbunden. Solch ein Zucken ist ungefährlich und kann beim Übergang des Einschlafens vorkommen.

Körper und Geist möchten eine Ruhepause einlegen. Hierzu ist der Tiefschlaf verantwortlich, in welcher die Entspannung maximal ist. Die Regenerationsprozesse laufen auf Hochtouren und eine Erholung tritt ein. Für gewöhnlich befindest Du Dich in der Nacht rund 1 bis 2 Stunden in dieser tiefen Schlafphase.

Im Schlaf tritt die Tiefschlafphase im Wechsel mit dem REM-Schlaf auf. Diese ist gekennzeichnet durch schnelle Augenbewegungen – „rapid eye movement“ – und einer höheren Aktivität des Gehirns. Im REM Schlaf träumst Du am intensivsten[1].

Störung der Schlafstarre

Die Schlafparalyse ist noch nicht vollständig erforscht. Als sicher gilt, dass die Schlaflähmung hauptsächlich im REM-Schlaf auftritt. Die REM-Schlafphase schließt sich im Verlauf der Schlafstadien der Tiefschlafphase an. Tritt also zum ersten Mal während der späten Nacht auf.

Es wird vermutet, dass das Phänomen der Schlafparalyse mit einer gestörten Aussendung des Neurotransmitters Glycin zusammenhängt. Dieser Botenstoff ist eigentlich in der REM-Schlafphase aktiv, um eine Muskelstarre zu erzielen[2].

Bei Betroffenen der Schlafparalyse wird der Neurotransmitter zwar ausgeschüttet, doch der Geist befindet sich nicht im Schlaf-, sondern Wachzustand. Somit ist es möglich, im halbwachen Zustand während der REM-Schlafphase die Lähmung wahrzunehmen.

Häufig vermischen sich dabei die Realität und Traumszenarien. Dies wird ähnlich einer Halluzination geschildert, wobei Angstzustände keine Seltenheit sind. Als weitere Beschwerden äußern Betroffene etwa einen Druck auf der Brust und eine Atemnot. Somit empfinden Betroffene dieses Phänomen als großes Leid und an eine erholsame Nacht ist nicht mehr zu denken.

Ursachen der Schlafparalyse

Die genauen Gründe, weshalb die Schlafparalyse auftritt, sind nicht vollständig bekannt. Doch es gibt bereits einige Studien[3] und Erkenntnisse, die einen Aufschluss über dieses Phänomen zulassen. Zusammenfassend tragen diese Faktoren zum Auftreten der Schlafparalyse bei:

Genetische Faktoren
Schlafstörungen
Angststörungen
Depressionen
Stress
Schlafapnoe
Unregelmäßiger Schlafrhythmus
Medikamente
Alkohol

Wie häufig tritt die Schlafparalyse auf und wer unterliegt einem höheren Risiko?

Bei vollem Bewusstsein nicht in der Lage zu sein, den Körper zu bewegen, mag einen Albtraum darstellen. Schätzungen, wie viele Personen diese Erfahrung machen mussten, gehen auseinander von rund 10 bis 30%. Es könnte also sein, dass rund ein Drittel aller Personen mindestens ein Mal in Ihrem Leben eine Schlafparalyse erleben.

Dies mag nach einem wesentlich höherem Anteil klingen, als Dir lieb ist. Doch die gute Nachricht ist, dass die Schlafparalyse nur sehr selten häufiger auftritt. Zumeist bleibt dies eine einmalige Erfahrung, sodass diese zwar schreckhaft sein mag, aber nicht wieder auftritt.

Die Lähmung im Schlaf kann in jedem Alter auftreten. Hier zeigt sich keine Besonderheit. Auch hinsichtlich der Geschlechter zeigt sich eine relative Ausgewogenheit.

Auslösende Faktoren

Bei weiteren Untersuchungen zeigte sich, dass Studierende von der Schlafparalyse häufiger betroffen[4] sind. Ein begünstigender Faktor, der zu dieser Schlafstörung beiträgt, scheint der Lernstress zu sein. Stress gilt im Allgemeinen als schädlich für den Schlaf und steht auch im Kontext der Schlafparalyse.

Ein Zusammenhang scheint auch zwischen der Schlafapnoe und der Schlafparalyse zu bestehen. Bei der Schlafapnoe treten häufiger Atemaussetzer auf und der Schlaf ist gestört. Wer von der Schlafapnoe betroffen ist, besitzt eine höhere Wahrscheinlichkeit zumindest ein Mal im Leben eine Schlafparalyse zu erleben.

Schlafstörungen im Allgemeinen gehen ebenso mit einem höheren Risiko der Schlafparalyse einher. Fällt es Dir schwer abends einzuschlafen oder wachst Du im Schlaf häufiger auf, könnte das Phänomen der Schlaflähmung bei Dir auch eintreten. Achte daher auf eine möglichst genaue Schlafhygiene und versuche ausreichend zu schlafen, um nicht die Lähmung zu erfahren.

Psychische Faktoren

Einen deutlichen Zusammenhang besteht zudem zwischen psychischen Erkrankungen und der Schlaflähmung. Wer unter Angststörungen, Panikstörungen oder Depressionen[5] leidet, erfährt auch des Öfteren eine Schlafparalyse.

Hervorzuheben sind zudem Personen mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD) sowie anderen Formen von Traumata. Der emotionale Stress scheint das Risiko der Schlafparalyse zu erhöhen und geht mit weiteren Schlafstörungen einher.

Therapiemöglichkeiten

Die Schlafparalyse tritt selten mehr als einmal auf. Daher ist eine Therapie in den wenigsten Fällen notwendig und es bleibt ein einmaliges Ereignis.

Tritt dieses Phänomen jedoch häufiger auf, müssen die Ursachen ergründet werden. In Abstimmung der Faktoren ist eine Therapie möglich, die zunächst auf eine Verbesserung der Schlafqualität abzielt. Dabei besteht das Ziel darin, mithilfe einer genaueren Schlafhygiene den Schlaf zu fördern.

Bleibt der erhoffte Erfolg aus, ist eine medikamentöse Behandlung möglich. Dies ist meist in Verbindung mit psychischen Erkrankungen angezeigt. Da Depressionen und Angststörungen die häufigsten Auslöser einer wiederkehrenden Schlafparalyse sind, bietet sich die Verwendung von Antidepressiva[6] an. Diese unterdrücken die REM-Schlafphase, sodass der Schlafparalyse keinen Raum geboten wird. Denn ohne REM-Schlaf ist auch die Schlaflähmung nicht möglich, da diese ausschließlich während dieser Schlafphase auftritt.

Zur weiteren Behandlung ist der Besuch im Schlaflabor sinnvoll. Dort können Ärzte in einer kontrollierten Umgebung die Gehirnaktivität untersuchen und genauer feststellen, ob neben der Schlafparalyse weitere Schlafstörungen auftreten. Dann ist eine präzise Behandlung möglich und die Angst wird gezielt genommen.

Abgrenzung zur Narkolepsie

Während die Schlafparalyse nur sehr selten auftritt, ist die Narkolepsie als Krankheit weiter verbreitet. Etwa 1 aus 2000 Personen leidet unter dieser Schlafstörung.

Bei dieser ist ebenfalls die Schlaf-Wach-Regulation gestört. Urplötzlich fallen Betroffene in einen unkontrollierten REM-Schlaf. Im schlimmsten Fall auch im Straßenverkehr, sodass von dieser Krankheit eine große Gefahr für die Gesundheit ausgeht.

Ähnlich wie bei der Schlafparalyse tritt auch bei der Narkolepsie eine Muskellähmung auf. Zunächst erschlafft die Muskulatur, um danach in eine narkoleptische Lähmung überzugehen.

Die Forschung ist bei der Narkolepsie[7] deutlich fortgeschritten. Es gilt als gesichert, dass ein Verlust von orexinhaltigen Nervenzellen zu dem plötzlichen Einschlafen führt. Heutzutage ist eine medikamentöse Behandlung möglich, sodass die Lebensqualität deutlich weniger unter dieser Krankheit leidet.

Ist die Schlafparalyse gefährlich?

Bewegungslos im eigenen Körper aufzuwachen, ist sicherlich kein angenehmes Gefühl. Daher ist eine gewisse Angst und selbst Panik im Moment der Schlaflähmung normal.

Eine Gefahr für die Gesundheit besteht jedoch nicht. Während des Schlafs solltest Du versuchen die Ruhe zu bewahren und wieder einzuschlafen. Am nächsten Morgen verschwimmt mitunter die Erinnerung an die Schlafparalyse, sodass Du den Eindruck hast, dass es sich um einen Albtraum handelte.

Erst wenn die Schlafparalyse häufiger auftritt, ist dies ein Warnhinweis und könnte darauf hindeuten, dass Du einem zu hohen Stress ausgesetzt bist. Da das gehäufte Auftreten mit Störungen des Schlafs einhergehen, ist der Arztbesuch angebracht.

Die Schlaflähmung bewusst wahrnehmen

Der Schlaf ist eine Phase des Körpers und Geistes, in welcher er sich regeneriert und die Aktivität zurückfährt. Die Gehirnaktivität ist niedriger und die Muskulatur entspannt sich.

Als Teil des Schlafes treten Träume auf. Diese können von schönen Erlebnissen handeln oder Dich in einen Horrorfilm versetzen. Damit keine Gefahr von intensiven Träumen ausgeht, tritt in diesem Zustand eine Lähmung der Muskulatur ein. Diese ist besonders während des REM-Schlafs ausgeprägt.

Im REM-Schlaf träumst Du intensiver und die Hirnaktivität nimmt zu. Erlangst Du während dieser Schlafphase das Bewusstsein, kann die Schlafparalyse auftreten, in welcher Dein Geist zwar nicht mehr schläft, die Muskulatur aber noch der Schlaflähmung unterliegt.

Dieses Phänomen tritt bei etwa ein Drittel aller Menschen immerhin ein Mal im Leben auf. Sie gilt aber als äußerst seltenes Schlaf Phänomen, sodass ein häufigeres Auftreten unwahrscheinlich ist.

Lindere den Stress, lege mehr Wert auf einen gesunden Schlaf und Dein geistiges Wohlbefinden. Dann wirst Du von dieser negativen Erfahrung verschont bleiben und weiterhin ungestört schlafen.

Sebastian Jacobitz (M.Sc.)
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