Ist der Schlafentzug tödlich?

Der Schlaf besitzt eine wichtige Funktion für Körper und Geist. Er dient der Regeneration und das Gehirn kann die Erfahrungen des Tages verarbeiten. Insbesondere für Kinder ist es wichtig, dass sie über ausreichend Schlaf verfügen. Andernfalls ist die Entwicklung beeinträchtigt und sie verhalten sich überaus gereizt.

Dass ein Schlafmangel mit zahlreichen negativen Folgen verbunden ist, ist bekannt. Es tritt eine Müdigkeit auf und die Konzentrationsfähigkeit sinkt. Auch körperliche Auswirkungen, wie ein erhöhtes Risiko eines Herzinfarktes[1], sind zu spüren.

Doch kann der Schlafentzug direkt zum Tod führen und wie lange ist es möglich wachzubleiben? Erfahre, wie sich ein extremer Schlafmangel auswirkt.

Weshalb tritt der Schlafentzug auf?

Schlafentzug - Smartphone Kaffee
Künstliche Bildschirme, Kaffee und Stress sind die häufigsten Ursachen für den Schlafmangel

In der modernen Gesellschaft wird Einiges von Körper und Geist verlangt. Die Arbeit ist anspruchsvoll und der Stress wirkt sich direkt auf Dein Schlafverhalten aus. Dir fällt es schwer abends einzuschlafen und mit nur wenigen Stunden Schlaf merkst Du die Auswirkungen am nächsten Morgen recht deutlich. Du bist müde und es gelingt nur mit der starken Tasse Kaffee überhaupt in den Tag zu starten.

Eine der häufigsten Ursachen für den Schlafentzug ist also im modernen Lebenswandel zu finden. Neben dem Stress sind auch Smartphones und Computerbildschirme für den Schlafentzug verantwortlich. Denn das künstliche Licht beeinträchtigt die innere Uhr. Das Licht gaukelt dem Körper vor, dass die Sonne noch scheinen würde. Dementsprechend ist die Produktion des Schlafhormons Melatonin gehemmt. Der Körper wird nicht in den Schlafzustand versetzt und der natürliche Schlafrhythmus ist nicht mehr vorhanden. So kann es schnell passieren, dass die Nacht zum Tag wird und es ständig am Schlaf mangelt.

Der alltägliche Schlafmangel

Der Schlafmangel ist in vielen Teilen der Gesellschaft ein ständiger Begleiter. Er darf jedoch nicht unterschätzt werden und beeinflusst maßgeblich die Gesundheit.

Ein Bereich, in welchem der Schlaf Mangelware ist, ist das Militär. Während eines Einsatzes kann es vorkommen, dass es für mehrere Tage keine Schlafmöglichkeit gibt. Um diese realistische Situation zu simulieren, werden bereits in der Grundausbildung ähnliche Gegebenheiten trainiert. Vor allem in der US-Army gilt es als wichtige Fähigkeit, um mit dem Schlafentzug umzugehen[2]. Andernfalls könnte die Übermüdung zu einem Beschuss der eigenen Truppen und tödlichen Kurzschlussreaktionen führen.

Folgen des Schlafentzuges

Welche Auswirkungen sind infolge des Schlafentzuges zu erwarten und wie reagieren Körper und Geist auf den fehlenden Schlaf? Folgend erhältst Du eine kurze Übersicht des Schlafentzuges im zeitlichen Verlauf.

24 Stunden ohne Schlaf

Die Erfahrung mal eine Nacht nicht zu schlafen hast Du wahrscheinlich selber schon gemacht. Sei es, weil die Party kein Ende gefunden hat oder weil Du auf Reisen warst und die Nacht auf dem Flughafen verbringen musstest. 24 Stunden wachzubleiben ist sicherlich nicht angenehm, doch die Auswirkungen sind noch überschaubar.

Offensichtlich ist, dass die Müdigkeit Deine Leistungsfähigkeit einschränkt. Es fällt Dir schwer Dich zu konzentrieren und anspruchsvolle Aufgaben lassen sich kaum mehr lösen. Steht eine wichtige Klausur vor der Tür und Du verbringst die ganze Nacht mit dem Lernen? Dann lass es lieber. Im übermüdeten Zustand ist der Lerneffekt sehr gering und es ist wesentlich effektiver die Nacht zu schlafen und ausgeruht die Lerninhalte aufzunehmen.

Reduzierte Leistungsfähigkeit

Nach 24 Stunden des Schlafentzuges lässt die Konzentration merklich nach und die Leistungsfähigkeit sinkt. Die Auswirkungen sind ähnlich einer Alkoholkonzentration von 1 Promille im Blut.

Neben der mangelhaften Konzentration ist auch die Reizverarbeitung gestört. Es gelingt Deinem Geist schlechter zwischen gefährlichen und gewöhnlichen Reizen zu unterscheiden. Deshalb reagierst Du auf sämtliche Geräusche empfindlicher und diese lösen einen größeren Stress aus.

Auch das Verhalten verändert sich bereits ab einem Schlafentzug von 24 Stunden. Das Einschätzen von Gefahren ist gestört und es gelingt Dir kaum ein Risiko richtig einzuschätzen. Daraus folgt eine höhere Risikobereitschaft. Der Schlafentzug wirkt sich auf Deine Reaktionsfähigkeit und der Risikobereitschaft ähnlich aus, wie 1 Promille Alkohol im Blut.

Nach der Party noch schnell zu McDonald’s, um den Heißhunger zu stillen? Es erscheint gar nicht so abwegig, dass diverse Fast-Food-Ketten 24h geöffnet sind. Denn der Schlafentzug führt dazu, dass ein größerer Heißhunger auf Fast-Food[3] besteht. Du suchst eher die unmittelbare Belohnung und da kommt das Fast-Food gelegen. Durchlebst Du des Öfteren einen Schlafentzug, steigt das Risiko an einem Übergewicht zu leiden.

48 Stunden ohne Schlaf

Schlafmangel - Autofahren
Der Schlafmangel wirkt sich ähnlich wie Alkohol im Blut aus und das Autofahren sollte dringend vermieden werden

Eine Nacht ohne Schlaf scheint machbar und noch ohne größere Folgen zu sein. Nach 48 Stunden sind der körperliche und geistige Zustand wesentlich schlechter.

Grundsätzlich verstärken sich zunächst die zuvor beschriebenen Symptome. Der Stress tritt intensiver in Erscheinung und jegliche Reize werden als Gefahr wahrgenommen. Aus diesem Grund steigt auch die Aggressivität und es kann schneller zu Kurzschlusshandlungen kommen.

Deutliche Aussetzer machen sich nun im Gehirn bemerkbar. Es ist kaum mehr möglich neue Informationen zu verarbeiten. Mitunter können Halluzinationen[4] auftreten. Für Außenstehende besteht der Eindruck, dass der Schlafmangel wie eine Alkoholisierung wirkt. Das Sprechen fällt schwer und es ist kaum mehr möglich einen vernünftigen Satz zu äußern.

Für Autofahrer ist solch ein langer Schlafentzug fatal. Wer solch eine lange Zeit nicht geschlafen hat, sollte sich nicht mehr hinters Steuer setzen. Der Sekundenschlaf ist eine unweigerliche Folge und gefährdet sowohl Fahrer als auch andere Verkehrsteilnehmer.

72 Stunden ohne Schlaf

Auf natürlichem Weg ist es kaum möglich ganze 72 Stunden am Stück wachzubleiben. Das Verlangen nach dem Schlaf ist so groß, dass der Körper sich wesentlich früher den Schlaf holt. Manche Krankheiten oder Substanzen können jedoch solch eine lange Wachphase fördern.

Deutliche Ausfallerscheinungen

Nach 72 Stunden ohne Schlaf treten starke Ausfallerscheinungen ein. Ein normaler Tagesablauf ist nicht mehr möglich und ein Zustand der Verwirrung ist meistens feststellbar.

Geistig tritt ein Zustand der Verwirrung auf. Wer 72 Stunden wach ist, ist kaum in der Lage sich selbst zu versorgen. Es treten Halluzinationen, Paranoia und Angstzustände auf. Auch aggressives Verhalten und Depressionen können zum Vorschein kommen. Insgesamt besteht eine emotionale Instabilität.

11 Tage ohne Schlaf

Eine der längsten dokumentierten Phasen des Schlafentzuges geht auf den Weltrekordversuch des 17-jährigen Schülers Randy Gardner[5] zurück. Dieser hat im Jahr 1965 den Versuch unternommen möglichst lange, ohne Schlaf auszukommen. Begleitet wurde das Experiment von einem Somnologen und einem Militärarzt.

Schon nach wenigen Tagen wurde eine deutliche Veränderung des Wesens festgestellt. Randy Gardner wurde zunehmen aggressiver und gereizter. Er selbst beschrieb diesen Zustand, „Als würde jemand mein Gehirn mit Sandpapier bearbeiten“.

Dies verdeutlicht, dass der Schlafentzug die Psyche schwer belastet. Im weiteren Verlauf kamen zu dem aggressiven Verhalten Halluzinationen und psychotische Zustände. So glaubte der damals 17-jährige Schüler, dass er eigentlich ein großer Football-Star wäre. Er sah sich im Körper einer anderen Person und zeigte Symptome einer Schizophrenie.

Nach insgesamt 264 Stunden ist Randy eingeschlafen und konnte sich von dieser selbstgewählten Tortur erholen. Das Guinessbuch der Weltrekorde hat auf diese Kategorie, aufgrund des gesundheitlichen Risikos, verzichtet und keine neuen Versuche aufgezeichnet. Damit sollten Nachahmer verhindert werden.

Langzeitfolgen treten bei solch einem einmaligen Schlafentzug zum Glück nicht auf. Zwar benötigt der Körper wesentlich mehr Schlaf, doch nach Phase der Erholung sind die Defizite schnell ausgeglichen.

Ist der Schlafentzug tödlich?

Der Schlafentzug direkt ist für gesunde Personen nicht tödlich. Der aufgezeichnete Versuch zeigt, dass zwar nach 11 Tagen die Psyche darunter leidet, doch der Tod nicht zwangsläufig auftritt.

Dennoch sind Todesfälle infolge des Schlafentzuges nicht auszuschließen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems vorliegen. Dann kann der Schlafentzug eine solche hohe Belastung darstellen, dass ein Herzinfarkt auftritt. Auch das Risiko vergleichbarer Vorfälle ist erhöht.

Tödlichkeit des Schlafentzuges

Der Schlafentzug scheint direkt nicht zum Tode zu führen. Aufgrund der Ausfallerscheinungen sind jedoch indirekt Todesfolgen bestätigt. Dies betrifft zum Beispiel den Sekundenschlaf beim Autofahren, aber auch weitere Unfallfolgen oder erhöhte Suizidraten.

Indirekt führt der Schlafentzug in nicht seltenen Fällen zum Tod. Durch die gesteigerte Risikobereitschaft und einer verminderten Reaktionsfähigkeit werden Gefahren falsch eingeschätzt. Dies ist gerade im Straßenverkehr ein Problem und gilt eine der Hauptursachen für tödliche Unfälle.

Tritt ein dauerhafter Schlafmangel auf, geht dies mit einer verkürzten Lebenserwartung[6] einher. Dies ist auf das geschwächte Immunsystem sowie der höheren Belastung für das Herz-Kreislauf-System zurückzuführen.

Somit ist der Schlafentzug für gesunde Personen nicht direkt tödlich. Die Begleiterscheinungen führen jedoch zu einem Verhalten, welches risikoreicher und durchaus für Todesfälle verantwortlich ist. Auch die verminderte Reaktionsfähigkeit stellt im Straßenverkehr eine hohe Gefahr dar.

Bei einem extremen dauerhaften Schlafmangel über mehrere Jahre ist die Lebenserwartung stark verkürzt. Es lässt sich also schlussfolgern, dass der Schlafentzug zwar nicht direkt zum Tod führt, aber indirekt die Sterbewahrscheinlichkeit erhöht.

Sebastian Jacobitz (M.Sc.)
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